Rendering – ein making-of

Realtime-Performance – Uraufführung

Vorgestern verliebte sich ein Mensch in eine mechanische Puppe. Gestern wollte ein anderer eine Comicfigur heiraten. Heute begegnen sich eine Schauspielerin, ein Computer und drei norwegische Programmierer auf der Bühne und loten das Spannungsverhältnis zwischen der Unendlichkeit der menschlichen Sehnsucht und der Begrenztheit ihrer Ausdrucksfähigkeit aus. Entstehen Bilder vom idealen Menschen durch die perfekte Maschine?

Die Comic-Zeichnerin und Trickfilmproduzentin Nathalia arbeitet an ihrer neuesten Geschichte, einer Teenager-Romanze für ein jugendliches Publikum. Sie bespricht ihre Entwürfe mit ihrer Freundin und Lektorin Clara, der eklatante Parallelen zu Nathalias eigener Biografie auffallen. Was Clara nicht weiß ist, dass Nathalia beginnt, eine Beziehung zu der von ihr geschaffenen Hauptfigur aufzubauen und dabei immer stärker in ihre eigene Phantasiewelt abgleitet. In den Untiefen ihrer Vorstellungskraft wartet aber weit mehr, als die scheinbare Erfüllung tief sitzender Sehnsüchte.

Es ist das Vermischen von Realität und Fiktion, das für Nathalia zur subjektiven Realität wird. “Rendering... Ein making-of” beschreibt mit den Mitteln moderner Computergrafik und postdramatischen Theaters den Versuch, Sehnsüchte und Vorstellungen im medialen Raum zu verwirklichen. Darin eröffnet sich das Versprechen freier, individueller Entfaltung und hemmungsloser Projektion. Es geht um die Beziehung zwischen einem künstlichen Produkt und seinem Erschaffer, um die Gestaltung und Findung der eigenen Persönlichkeit im (pop-) kulturellen Ausdruck.

 

Um dieses Ziel zu erreichen, wird interdisziplinär an der Verbindung digitaler Subkulturen mit darstellender Kunst gearbeitet. In der Computerszene der 1980er Jahre entwickelte sich die ‚Demoscene’ als lebendige Ausdrucksform, deren Protagonisten audiovisuelle Sequenzen computergenerierter Grafiken erzeugen. ‚Demos‘ sind Live-Performances: im Gegensatz zu vorproduziertem Filmmaterial führt der Computer sie in Echtzeit aus und setzt jedes Bild aus dem Quellcode erst genau im Moment des Erscheinens um. Diese Königsdisziplin des Programmierens bietet zusammen mit dem szeneninternen Wettbewerb um den kleinsten Speicherplatz bei verbesserter Graphik den perfekten Nährboden für Kreativität und schafft somit die entscheidenden Rahmenbedingungen für eine noch nicht adäquat wahrgenommene Kunstform.

 weitere Informationen unter www.rendering-ein-making-of.de

Idee/Konzept/Produktion: Gero Tögl/Gabriel Döll
Schauspiel: Katherina Mai
Programmierung: Ebbe Smith, Espen Aamodt, Eivind Liland, Joachim Hofer
Video-Installation: Martin Mayer
Produktionsassistenz: Otone Sato

Unterstützt mit einer Debütförderung des Kulturreferats der Landeshauptstadt München

 

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